Ostmusik.de
Medien in der DDR Mitarbeit Jörg Kunze
Sie sollten auf keinen Fall unerwähnt bleiben, schließlich haben die Medien - wie heute auch - eine besondere Rolle beim Bekanntmachen von Musik, dem Formen von Meinungen und Fördern von Bands und Interpreten. Leider gibt es in der heutigen Medienlandschaft nirgends eine Rubrik, die sich intensiv mit Vergangenem oder Aktuellem aus der Musikszene der neuen Bundesländer beschäftigt. Wenn doch, ist es meist spontan und nur so nebenbei. Eine Ausnahme macht vielleicht der Fernsehsender "ORB", der immerhin ab und zu mal etwas bringt. Neuerdings hat sich der „MDR“ auch mehr bemüht. Die regionalen Rundfunkanstalten kann man völlig vergessen. Wenn man Vergleiche anstellt, den Inhalt betrachtet, ist es verwunderlich, was da so produziert und gesendet wird. Im Vorfeld des 30-jährigen Bestehens der "Puhdys" habe ich mich beim Sender "Premiere" erkundigt, ob es nicht möglich wäre, dieses Konzert im Rahmen des Musikangebotes des Senders zu präsentieren. Die Antwort war höflich, aber deutlich: Kein Interesse, keine Resonanz durch die Zuschauer ... Ein Lacher. Meine Konsequenz auf diese globale Reaktion der Anfrage war die Kündigung des Vertrages mit dem Programmanbieter. Auch die heutige Art der Hitparaden ist doch sehr eigentümlich, da macht so jeder seins, die Auswahl der zu bewertenden Songs ist soooo einseitig. Wenn man das alles anders kennt, kommt es wie automatisch zur Ablehnung der heutigen Art. Und eines ist Fakt: Die Form des Angebotes, das was und wie, ist eindeutig ein Rückschritt gegenüber Vergangenem. Ein jüngerer Leser wird sicherlich die Stirn runzeln, wenn er das hier liest, doch ich masse mir an dies so zu beurteilen und nicht anders, denn ich kenne beides, das heutige wie das Vergangene.
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Übersicht über das Jugendmedienangebot und spezifische Begriffe der Musikszene der DDR
  Amiga   "Einziges" Schallplattenlabel der DDR auf dem Unterhaltungssektor.   AWA „Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte auf dem Gebiete der Musik“, das Pendant zur bundesrepublikanischen  „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (GEMA). Veranstalter mussten 5 Tage vor Beginn einer Veranstaltung diese bei der AWA anmelden  und nach Beendigung die ausgefüllten Titellisten abgeben (hat aber kaum einer gemacht).   Basar   Seit 1965 Bestandteil des Fernsehprogramms der DDR. Eine Jugendsendung über die Kultur in der DDR und  befreundeten Ländern. 1971 kam es zu ersten Auftritten der Rockgruppen der DDR (1.Auftritt der Puhdys).  1973 abgelöst durch die Sendung "Rund ".   Beatkiste   Wöchentliche Wertungssendung von "Stimme der DDR". Erster Moderator dieser Sendung war Frank Schöbel.  Zum Sendestart trat das Programm deshalb unter dem Namen „Franks Beatkiste“ an.   Berliner Rocksommer   Jährliche Open Airs ab 1984 in Berlin mit in / ausländischen Künstlern,  Veranstalter waren die FDJ und die Kulturdirektion Berlin   Berufsausweis   War die Grundlage um als professioneller Musiker auftreten zu dürfen.   Bong   Wertungssendung des Fernsehens der DDR ab 1983. Inhaltsschwerpunkt waren Schlager sowie Rock- und Popmusik. Wurde einmal im Monat durch den Moderator Jürgen Karney präsentiert.   Das blaue „t“ (Jugendtanz)   Qualitätssiegel (verliehen durch die FDJ an Jugendklubs - vom „Fichtelberg“ bis „Kap Arkona“) für besonders niveauvolle Jugendtanzveranstaltungen.   Dramms   Lief ab 1987 alle 5 Wochen im Fernsehen. Es wurden ausführlich aktuelle Musiktrends und Schallplatten  vorgestellt. Außerdem gab es eine kleine Gitarrenschule mit Ralf Kothe.   DT Metronom 1972 ins Leben gerufene Wertungssendung von Musiktiteln des Senders "Jugendstudio DT 64". Die Sendung wurde später durch die Sendung von Mitschnitten diverser Life Konzerte ergänzt.   Duett   Der Berliner Rundfunk bot wochentags je eine Stunde die Möglichkeit an, von 2 Bands / Interpreten Mitschnitte von ausgewählten Titeln zu tätigen.   ELF 99   1989 gestartete Jugendfernsehsendung. Der Inhalt grenzte sich zu den bisherigen Angeboten stark ab,  man machte nicht vor unbequemen Fragen halt, die Reportagen waren voller Hintergrundinformationen und respektlos.   Festival des politischen Liedes   Von 1970 bis 1990 fester Bestandteil im Jahreskalender der Singe- und Politrockkultur der DDR.  Als internationale Gäste wurden zum Beispiel Größen wie die Rocker von  „Lokomotive Kreuzberg“  (73, 75 und 76) aus dem damaligen Westberlin,  „Perry Friedman“ (71-73, 76, 79, 80-84, 87) aus Kanada,  „Hannes Wader“ (78, 82, 84) aus der Bundesrepublik oder „Hermann van Veen“ (86)  aus der Niederlande begrüßt. In diesen 20 Jahren fanden hunderte Veranstaltungen mit tausenden Mitwirkenden statt.   Hallo - Das Jugendjournal   Jugendmagazin von "Stimme der DDR". Inhaltlicher Schwerpunkt waren Beiträge aus Kultur, Politik und Sport.  Die Musik und die dazu gehörigen Informationen bildeten einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt.   Im Konzert   Sendung des DDR Fernsehens: Präsentation von Life Konzerten in Form einer 1stündigen Sendung.   Jugendradio DT 64   Zunächst nur als 99stündiges Sonderprogramm für die Dauer des „Deutschandtreffens der FDJ 1964“ (daher der Name) konzipierte Jugendsendung. Wegen der großen Hörerresonanz bald  als regelmäßiges Jugendprogramm installiert und ab 1970 tageszeitlich immer weiter ausgebaut. Der Nachfolger "MDR Sputnik" konnte an das hohe Niveau nicht mehr anknüpfen.   Junge Welt   Tageszeitung für junge Leserinnen und Leser. Herausgeber war der Zentralrat der FDJ. Neben nationalen und internationalen News aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens  ar besonders der Sportteil ein Geheimtipp für alle Fans. Keine andere Tageszeitung der ehemaligen DDR konnte der Sportredaktion der „Jungen Welt“ journalistisch das Wasser reichen!   Lied der Zeit   Am 12.August 1946 wurde dem Arbeitersänger Ernst Busch durch die SMAD  (Sowjetische Militäradministration) die Lizenz zur Gründung der ersten nachkriegsdeutschen  Schallplatten-GmbH erteilt. Er gründete daraufhin die LIED DER ZEIT SCHALLPLATTEN GmbH im Ostteil Berlins, die „Mutter“ von AMIGA und Co.   Melodie und Rhythmus   Monatliche Musikzeitschrift mit Berichten, Biographien und Kritiken zu nationalen und internationale Künstlern der Rock/Pop Szene   Musikalische Luftfracht   14tägige Sendung bei "Radio DDR" mit den aktuellen internationalen Produktionen, präsentiert durch Peter Niedziella   Neues Leben   DDR Jugendmagazin über alles Bereiche des täglichen Lebens. Auf die politische Seite wurde besonderen Wert gelegt.   Notenbude   Musikmagazin von "Stimme der DDR" seit 1972 in wöchentlicher Ausstrahlung.  Eine ausführliche und f undamentierte Sendung über die nationale und internationale Musikszene.   Notenbank   Musikreihe des DDR Fernsehens 1969-1972. Vorstellung von nationalen Beatproduktionen.   Parocktikum   Rundfunksendung von 1986-1989. Vorstellung von Musiktrends und Strömungen außerhalb  des k ommerziellen Einflusses. Hard Rock, Punk, Hip-Hop waren hier bestens aufgehoben und vorgestellt.   Plattenlabel der Bruderländer   Neben hiesigen (DDR) Veröffentlichungen konnte so mancher „Schatz“ als Reisemitbringsel oder in ausgewählten heimischen Spezialgeschäften gehoben werden. Zum Beispiel bei  „Melodija“ (Sowjetunion), „Muza“ oder „Pronit“ (Polen), „Pepita“ oder „Quali- später Hungarton“ (Ungarn),  „Supraphon“ oder „Opus“ (ČSSR), „Electrecord“ (Rumänien) und „Balkanton“ (Bulgarien). Radio DDR Tip Parade   Wöchentliche Wertungssendung nationaler Titel auf "Radio DDR I" - Moderation Hans Misersky   Rhythmus  Sendung des DDR Fernsehens im Zusammenarbeit mit dem Rundfunk von 1971-1978  wo die erfolgreichsten und populärsten Titel des Jahres präsentiert wurden.   Rock für den Frieden   Von 1982-1987 3- Tage Jahresveranstaltung im Palast der Republik, Live Konzerte  aller namhaften Bands der DDR und Gastmusiker aus dem internationalen Ausland.   Rund   1973 gestartete monatliche Fernsehsendung, ein Unterhaltungsmagazin für junge Leute  in der die Musik im Vordergrund stand.   Rundfunk der DDR   Bestand 1989 aus den Sendern „Radio DDR I“, „Radio DDR II“, „Radio Berlin International“, „Berliner Rundfunk“, „Stimme der DDR“ und „Jugendradio DT64“. Ferner wurden Regionalprogramme von den Sendern Leipzig, Halle, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Weimar, Schwerin, Rostock, Cottbus, Frankfurt(Oder) sowie Potsdam produziert  und über die Frequenzen von „Radio DDR I“ gesendet.   Stop Rock   Wertungssendung des Fernsehens der DDR ab 1983,  eingebunden Interviews, Tourneepläne und Porträts von DDR Bands.   Tipp Disko   Wöchentliche Wertungssendung auf Stimme der DDR - Freitag`s 21 Uhr   Trend Rundfunksendung des Berliner Rundfunks ab 1986 , Schwerpunkt:  Aspekte der internationalen Rockmusik unter dem Vorzeichen der Musikwissenschaft   Vom Band fürs Band   Wöchentliche Mitschnittsendung bei "Stimme der DDR", im Angebot nationale und internationale Popmusik